MUMM - "Miteinander und Motiviert Mitmachen"

Mit dem Projekt MUMM sichert die Hansgrohe SE die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden

Startjahr

2004

Anlass und Ziele

Mit dem Projekt "MUMM" sichert die Hansgrohe SE die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachhaltig und bietet rechtzeitig eine Antwort auf den demographischen Wandel. In den kommenden zehn Jahren wird der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hansgrohe SE, die 50 Jahre und älter sind, von heute 21% der Belegschaft auf ca. 50 % steigen.

Zielgruppen

  • Alle Beschäftigten, insbesondere über 50 Jahren

Angebote und Umsetzungsschritte

Eine Diplomarbeit aus dem Jahr 2003 war Ausgangspunkt für "MUMM". Die dort gewonnenen Erkenntnisse sowie die Ergebnisse aus ersten Pilotworkshops mit Beschäftigten aus der Zielgruppe der Generation "50 plus" bildeten die Basis für das "MUMM"-Projekt, das heute auf fünf Säulen ruht.

Säule 1: Verankerung von MUMM in der Unternehmenskultur

Das vom Vorstand initiierte Projekt MUMM hat einen hohen Stellenwert im Unternehmen und ist inzwischen fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Dass dabei alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv einbezogen werden, erhöht die Wertschätzung und Akzeptanz des Projekts. So wird MUMM von allen Beteiligten bis hin zu den Führungskräften getragen. Entsprechend groß ist die Unterstützung der einzelnen Maßnahmen.

Säule 2: Personalarbeit und -entwicklung

Jedes Jahr findet bei Hansgrohe ein eigenes "Welcome-Meeting" für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt, die 50 Jahre alt geworden sind. Die Beschäftigten besprechen Themen rund um ihre berufliche Zukunft, wie sie ihre kommenden Aufgaben sehen, wie sie die Belastung an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz einschätzen und welche Verbesserungsvorschläge sie haben. Ein Schwerpunkt bei einem MUMM-Welcome-Meeting war das Thema: "Alternative Arbeitszeitgestaltung und -organisation". Der Wunsch, das Unternehmen solle seinen älteren Beschäftigten alternative, flexiblere Zeitmodelle anbieten, stand dabei im Mittelpunkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sahen darin eine Möglichkeit, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu stärken und auch im höheren Alter eine angemessene "Work-Life-Balance" zu erreichen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen aus den Bereichen Personal und Fertigung sowie dem Betriebsrat wurden die Wünsche und Vorstellungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesammelt und mit den betrieblichen Anforderungen abgestimmt.

Folgende Lösungsvorschläge wurden gemeinsam erarbeitet:

  • Flexiblere Pausen und Sabbaticals

Eine flexiblere Pausenorganisation gibt vor allem den Beschäftigten aus der Produktion die Möglichkeit, mehrere kurze Erholungspausen in den Arbeitsprozess zu integrieren. Die nach sechs Stunden Arbeitszeit vorgegebenen dreißig Minuten Pause können in mehrere Blöcke aufgeteilt werden. Ein weiteres Anliegen war die Möglichkeit, bei Bedarf von Nachtschicht- und Schichtarbeit zur Regelarbeitszeit zu wechseln. Mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie oder persönlichen Interessen sind das Ziel bei Jahresarbeitszeiten oder auch Auszeiten, so genannten "Sabbaticals", die in einem bestimmten Rhythmus in Anspruch genommen werden können.

  • Sonderprämien in Zeit umwandeln

Durch eine Erweiterung der Arbeitszeitkonten können Sonderprämien in Stunden umgewandelt werden. So erhalten auch außertarifliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit, Stunden auf einem Langzeitkonto anzuhäufen und damit im Bedarfsfall eine längerfristige arbeitsfreie Zeit zu beantragen. Ob ihre Prämien in Geld oder Stunden ausgezahlt werden, entscheiden die Beschäftigten einmal jährlich dann jeweils selbst. Außerdem erhalten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Teilzeit arbeiten, ab dem 55. Lebensjahr von Hansgrohe eine Aufstockung der Betriebsrente, damit der finanzielle Verlust nicht zu groß ausfällt. Ob die Telearbeit intensiver genutzt werden kann, prüfen Führungskraft und Personalabteilung im Einzelfall.

  • Weiterbildung für ältere Mitarbeiter

Weiterbildung für ältere Mitarbeiter war ebenfalls ein Schwerpunkt beim Welcome Meeting. Hieraus ist eine Personalentwicklungsmaßnahme (PC-Schulung) speziell für ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeitet worden. Siegfried Gänßlen, Vorstandsvorsitzender der Hansgrohe AG, unterstreicht hier auch noch mal die Notwendigkeit und Wichtigkeit des Projekts.

Die jährlichen "MUMM" Welcome-Meetings werden fortgeführt, um neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Möglichkeiten einer individuellen Arbeitszeitgestaltung aufzuklären und neue Anregungen und Ideen zu sammeln. Aber auch, um die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die engagierte Mitarbeit zu gewinnen. Für 2010 ist erstmal auch ein "Stammtisch-MUMM" geplant, so dass eine Unternehmensplattform geschaffen wird, damit sich die Projektteilnehmer untereinander austauschen können.

Säule 3: Arbeitsorganisation und Arbeitsplatzgestaltung

Arbeitsplätze werden nach ergonomischen Kriterien begutachtet und, sofern nötig, unmittelbar optimiert. Darüber hinaus gestaltet das Unternehmen vor allem in der Produktion Tätigkeitsbereiche mit hoher körperlicher Belastung alters- und gesundheitsgerecht unter ergonomischen Gesichtspunkten um. Der eigens im Unternehmen beschäftigte Gesundheitsmanager, ein Diplom-Sportwissenschaftler, führt in allen Unternehmensbereichen für alle Altersgruppen Ergonomieschulungen durch, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein besseres Verständnis für das Thema bekommen. Bereits im Planungsprozess von neuen Produktionslinien fließt das Thema Ergonomie ein. Ziel ist es "altersrobuste" Montagelinien zu gestalten, so dass alle Altersgruppen und auch Leistungsgewandelte in Montagesystemen bestmöglich eingesetzt werden können. "Altlasten" in bestehenden Linien werden durch kontinuierliche Verbesserungsprozesse behoben und abgestellt.

Das Thema Job Rotation wird seit 2009 intensiver im Produktionsbereich umgesetzt, mit dem Ziel, ein belastungsorientiertes Rotieren an den Arbeitsplätzen zu ermöglichen.

Säule 4: Gesundheitsmanagement

Neben Vorträgen zu den Themen Bewegung, Ernährung und Entspannung sowie praktischen Kursen wie Nordic Walking, XCO-Walking und Lauftreffs geht das Gesundheitsmanagement speziell für ältere Beschäftigte noch einen Schritt weiter: Im hauseigenen Wellness-Test-Center, in dem die Beschäftigten neue Duschsysteme und Brausen selbst ausprobieren oder einfach nur in der Sauna entspannen, stehen professionelle Fitness-Geräte bereit. Unter Anleitung des Diplom- Sportwissenschaftlers können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier anhand eines auf ihr Leistungsvermögen abgestimmten Trainingsplans beispielsweise gezielt die Rückenmuskulatur aufbauen und so möglichen körperlichen Beschwerden vorbeugen.

Zukünftig soll auch speziell für ältere Mitarbeitergruppen ein Gesundheitscheck angeboten werden, um drohende Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Jährliche Vorsorgeuntersuchungen wie z.B. das Darmkrebsscreening und Grippeimpfungen bietet das Unternehmen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, um die Gesundheit zu schützen und Krankheiten vorzubeugen. Speziell für die Auszubildenden und DH-Studenten im Unternehmen gibt es ein Gesundheitsprogramm Hans-Fit. Das Programm schult und sensibilisiert in allen drei Ausbildungsjahren (mit jeweils zwei Themenschwerpunkten: Ergonomie+Rückenprävention, Ausdauer+Bewegung, Check-up+Ernährung, sowie Entspannung+Sucht) bereits die Jungen im Unternehmen zu einem gesundheitsbewussteren Lebenstil.

Säule 5: Wissen und Erfahrung

Um das Projekt "MUMM" auch wissenschaftlich auf dem neuesten Stand zu halten, arbeitete die Hansgrohe SE zum Thema Beschäftigungsfähigkeit eng mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg zusammen. Erkenntnisse haben die Wissenschaftler aus Mitarbeiterbefragungen und Workshops zum Thema Beschäftigungsfähigkeit gewonnen. Gerade die schnellen technologischen Veränderungen erfordern lebenslanges Lernen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bereit, sich weiterzubilden, um auch weiterhin aktiv und gesund am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilzunehmen. Auf Basis der Untersuchungen wird das Unternehmen auch in Zukunft speziell abgestimmte Weiterbildungspakete für die Bedürfnisse aller, aber eben auch der älteren Mitarbeitergruppen schnüren.

Lebenslanges Lernen hängt auch eng mit dem Wissensmanagement zusammen. Gerade im Ausbildungsbereich steht der Wissenstransfer im Vordergrund. Hier profitieren die jüngeren von den erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ältere Beschäftigte qualifizieren sich gemeinsam mit den Auszubildenden im hauseigenen Ausbildungszentrum weiter. Dabei können sie ihren großen Erfahrungsschatz und ihr langjähriges Know-how an die Auszubildenden weitergeben. Auch in der Fertigung arbeiten jüngere und ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in so genannten Alters-Tandems erfolgreich zusammen. Das ist eine optimale Basis für den gegenseitigen Wissensaustausch. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen auch noch im höheren Alter einen großen Beitrag zum Unternehmenserfolg beisteuern und die über viele Jahre erworbenen Erfahrungen an jüngere Generationen weitergeben.

Ergebnisse und Auswirkungen

Das "MUMM"-Projekt mit seinen fünf Säulen bildet eine geeignete Plattform für die gemeinsame Erarbeitung von Lösungen. Damit schafft es die besten Vorraussetzungen sowohl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, als auch für das Unternehmen, die Herausforderungen des demographischen Wandels und der Arbeitswelt zu meistern. Ziel ist es, auch in Zukunft gemeinsam mit allen Beschäftigten die Erfolgsgeschichte des Unternehmens weiter zu schreiben. Denn das Unternehmen will mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wachsen, nicht auf deren Kosten.

2009 wurde das betriebliche Gesundheitsmanagement der Hansgrohe AG im Rahmen des Corporate Health Award von EuPD und dem Handelsblatt mit dem Prädikat-Siegel prämiert.

Ansprechpartner/in

Frau Kathrin Knauf | Hansgrohe SE, Hansgrohe Gesundheitsmanagement | Vor Heubach 1 | 77761 Schiltach | Tel. 07836/51-1432 | » E-mail | » WWW

Florian Schoof Florian Schoof

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