Von sechs auf 30

Die "Kinderwelt", in der die Südwürttembergischen Zentren für Psychiatrie (ZfP) und die Ravensburger AG Belegplätze buchen, ist von einer Tagesgroßpflegestelle zu einer Kindertagesstätte geworden

Startjahr

2006

Anlass und Ziele

Bei den Südwürttembergischen Zentren für Psychiatrie zeigte sich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in außergewöhnlichen Situationen immer wieder Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung hatten. Zudem entsprachen die starren Rahmenbedingungen institutioneller Betreuungseinrichtungen nicht den Bedürfnissen der Beschäftigten im Klinikalltag. So entstand der Wunsch, sie an dieser Stelle zu unterstützen. Mit der Einrichtung der "Kinderwelt" in Form einer Tagesgroßpflegestelle, im Oktober 2006 konnten den Beschäftigten erstmals flexible Betreuungsmöglichkeiten und Notfallplätze auf dem Gelände der Klinik Weissenau angeboten werden.

Da bereits Mitarbeiterkinder der Ravensburger AG, die mit ihren Eltern in Ravensburg wohnten, die Einrichtung besuchten, entschloss sich die Ravensburger AG zu einer Beteiligung an der betrieblichen Kinderbetreuung.

Ziel ist es, die Beschäftigten zu unterstützen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern und so den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielte Motivationsanreize zu bieten. Außerdem erhoffen sich die Arbeitgeber Vorteile bei der Mitarbeiterbindung und der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Zielgruppen

  • Beschäftigte mit Kindern
  • Väter

Angebote und Umsetzungsschritte

Gestartet als sogenannte "Tagespflege in anderen Räumen", ist die "Kinderwelt" am Standort Weissenau seit 2009 eine reguläre Kinderkrippe. Betrieben wird sie von der selbständigen Erzieherin Kerstin Pohling, die auch eine Ausbildung zur Tagesmutter durchlaufen hat. In ihrem Team arbeiten weitere Fachkräfte, die sie angestellt hat.

Die "Kinderwelt" verfügt, seitdem die Ravensburger AG für ihre Mitarbeitenden ebenfalls Belegplätze gebucht hat, über 30 Plätze. Seither können drei Krippengruppen ? zwei Vollzeit- und eine Teilzeitgruppe ? angeboten werden. Die Vollzeitgruppe ist von montags bis freitags zwischen 8 Uhr und 17 Uhr geöffnet. Die Zeit für die Teilzeitgruppe sind dienstags und mittwochs von 8.30 bis 13.30 Uhr und donnerstags von 8.30 bis 14.30 Uhr. In beiden Betreuungsformen ist es nach vorheriger Anmeldung möglich, dass Eltern, die im Frühdienst arbeiten, ihre Kinder bereits um 6.45 Uhr bringen. In diesen Fällen kümmern sich Tagesmütter bis zur regulären Öffnungszeit um die Kinder. Bei entsprechendem Bedarf ist geplant, etwa in der Zeit von 17 bis 20 Uhr zusätzliche Betreuungszeiten durch Tagesmütter anzubieten. Schließtage existieren mit Ausnahme eines Tages für einen Betriebsausflug nicht.

In der Kinderkrippe werden Kinder zwischen null und drei Jahren betreut. Aufgenommen werden auch Kinder aus dem Wohnumfeld in Ravensburg. Vier bis fünf Plätze sind von ZfP-Mitarbeiterkindern belegt. Die Notfallbetreuung, in Situationen, in denen die ansonsten geregelte Kinderbetreuung kurzfristig nicht möglich ist, ist Mitarbeiterkindern vorbehalten. Tagesmütter betreuen zwischen 8 und 20 Uhr Kinder im Alter, bis zu 14 Jahren, in getrennten Räumen. Die Anmeldung für die Notfallplätze sollte so früh wie möglich erfolgen, möglich ist diese aber auch noch am Morgen der Betreuung. Das Angebot in der "Kinderwelt" können übrigens auch ZfP- und Ravensburger Beschäftigte in Anspruch nehmen, die nicht in Ravensburg wohnen.

Zusammenarbeit

Der Einstieg der Ravensburger AG als Kooperationspartnerin machte die Erweiterung auf 30 Betreuungsplätze nötig und möglich. Die Stadt Ravensburg hat die "Kinderwelt" in die örtliche Bedarfsplanung aufgenommen und einer Vereinbarung zugestimmt, nach der auch Kinder von auswärtigen Beschäftigten am Arbeitsort ihrer Eltern aufgenommen werden können.

Ergebnisse und Auswirkungen

Das Angebot wird gut von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angenommen und allgemein sehr positiv bewertet. Da die anfangs zwei vorgehaltenen Notfallplätze den Bedarf nicht abdecken konnten, wurde ihre Anzahl nach einem dreiviertel Jahr auf drei erhöht. 2009 wurden die Notfallplätze zwischen fünf und zwanzig Mal pro Monat belegt.

Auch in Vorstellungsgesprächen bei den ZfP kommt häufiger die Frage nach Kinderbetreuungsmöglichkeiten auf, so dass das Angebot als Pluspunkt für den Arbeitgeber gewertet werden kann.

Insgesamt kann von einer absoluten Win-Win-Situation für beide Seiten ? Arbeitgeber und Beschäftigte - gesprochen werden. Auf Grund der guten Erfahrungen sind die ZfP und die Ravensburger AG sehr zufrieden mit dem Angebot.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen des Klinikbetriebes wie Schichtdienste und Dienste an Sonn- und Feiertagen, stellten sich hohe Anforderungen an die Flexibilität der Kinderbetreuung.

Besondere Kennzeichen des Projekts aus Sicht der Verantwortlichen

  • Neuartige Idee
  • Erreicht Beschäftigte mit Familie
  • Marketing

Raumbedarf, technische Ausstattung etc.

In einem leerstehenden Klinikgebäude standen mit einer ehemaligen Therapiestation die notwendigen Räumlichkeiten zur Verfügung. Hat die "Kinderwelt" zur Zeiten als Großtagespflegestelle eine eigene Etage mit mehreren Räumen, Sanitärbereich und eine Küche genutzt, so steht ihr inzwischen das gesamte Gebäude mit ca. 280 qm zur Verfügung. Bei den im Obergeschoss notwendigen Umbauten hat sich die Ravensburger AG an den Investitionskosten beteiligt. Dank der ZfP-eigenen Handwerker erstrahlen die Gebäude in neuem Glanz. Die Kinderwelt kann außerdem das großzügige Freigelände der Klinik mit Park, Spielplatz und Kleintiergehege nutzen.

Finanzierung

Die Südwürttembergischen Zentren für Psychiatrie stellen der Kinderwelt die Räumlichkeiten im Erdgeschoss unentgeltlich im Austausch für die drei Notfallplätze zur Verfügung. So muss die Kinderwelt nur die Nebenkosten bezahlen und kann den Beschäftigten die Notfallbetreuung zu einem Satz von 15 EURO pro Kind und Tag anbieten.

Mit der Umwandlung in eine Kindertageseinrichtung und der Aufnahme in die örtliche Bedarfsplanung hat sich die Finanzierung grundlegend geändert. Neben dem Landeszuschuss, der im Krippenbereich ca. ein Fünftel der Kosten beträgt, übernimmt die Kommune den sogenannten Abmangel, das heißt die Kosten, die nicht durch die Elternbeiträge gedeckt sind. Bei nicht ortsansässigen Kindern lässt sich die Stadt Ravensburg den Abmangel, so weit möglich, von der Wohnortgemeinde erstatten. Den Differenzbetrag übernehmen ZfP und die Ravensburger AG.

In Ravensburg betreiben ausschließlich Träger der freien Jugendhilfe Kindertageseinrichtungen, nicht die Stadt selbst. Unter Beteiligung der Träger werden die Elternbeiträge jährlich ausgehandelt.

Besondere Rahmenbedingungen vor Ort

Die Realisierung des Vorläuferprojektes gelang, weil Familienfreundlichkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Unternehmensziele der ZfP sind. Andere Erfolgsfaktoren sind die Unterstützung familienfreundlicher Projekte durch die Geschäftsführungen, die die Zukunftsinvestition sehen, das Engagement von Projektleiterin und vom Team der "Kinderwelt", insbesondere auch der Leiterin.

Ansprechpartner/in

Frau Carmen Kremer | Südwürttembergische Zentren für Psychiatrie | Weingartshofer Str. 2 | 88212 Ravensburg | Tel. 0751/76012765 | » E-mail | » WWW

Herr Jan Westphal | Ravensburger AG, Personalleiter | Robert-Bosch-Str. 1 | 88214 Ravensburg | Tel. 0751/86-1360 | » E-mail | » WWW

Infomaterial

Raumplan Kinderwelt ZfP

Link

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